Ein Aufenthalt als Freiwillige/r von Baobab

Immer wieder melden sich junge Leute, aber auch ältere Menschen, die bei uns ein Praktikum, ein soziales Jahr oder einen sonstigen freiwilligen Dienst absolvieren möchten. Grundsätzlich ist dies möglich, da es zur Bereicherung beider Seiten beiträgt und ein sinnvoller Beitrag zur Völkerverständigung ist.

Anlaufstelle ist Frau Edith de Vos ghana@baobab-children.de und die "Freunde der Erziehungskunst" Karlsruhe.

Die Mindestzeit für einen Aufenthalt beträgt sechs Monate, für SchulabgängerInnen zwölf Monate.

Bei Fachkräften machen wir eine Ausnahme und sie sind herzlich willkommen zur Weiterbildung unserer Mitarbeiter.

Menschen bis zu 28 Jahren können sich bei den "Freunden der Erziehungskunst" in Karlsruhe für das Entsendeprogramm "Weltwärts" der deutschen Bundesregierung bewerben. Dieses Programm hilft den Freiwilligen ihren Aufenthalt zu finanzieren, Bedingung ist allerdings ein Aufenthalt von mindestens 12 Monaten im Entsendeland. Baobab freut sich ganz besonders über Berwerber, die nicht direkt von der Schule kommen, da unsere Aufgaben sehr anspruchsvoll sind. Bewerber mit praktischen Vorraussetzungen (auch nach der Berufsausbildung) in den Bereichen Schreinerei, Nähen, Textildesign, Fahrradreparatur, Solarenergie, organischer Landbau, sind ganz besonders herzlich willkommen - auch für kürzere Zeit. Auch ausgebildete LehrerInnen, SozialarbeierInnen, TherapeutInnen finden bei uns genügend Aufgaben. Unsere Verwaltung und Buchhaltung kann auch jemanden gebrauchen, der/die in diesen Bereichen kundig ist. Unser Laden in Cape Coast braucht immer wieder jemanden, der/die sich etwas mit Marketing auskennt und die Vermarktung unserer Produkte hilft zu verbessern. Diese Einsätze sind dafür gedacht, die Ghanaer, die mit uns zusammenarbeiten, weiter zu bilden, damit sie diese Bereiche selbst in die Hand nehmen können.

Unsere Freiwilligen sind in Familien untergebracht, die Ihre "Söhne" oder "Töchter" in der Regel wie Familienangehörige behandeln. Von den Gästen wird erwartet am Familienleben teilzunehmen und auch kleinere Aufgaben in den Familien zu übernehmen. Einige Volontäre leben je nach Aufgabe in unserem Jugendausbildungszentrum, wo alle unsere Schülerinnen und Schüler leben und neben Ghanaischen Mitarbeitern von einer/m Freiwilligen betreut werden. Im Augenblick bezahlen die Volontäre im Monat 100 Euro für Verpflegung, Strom und Wasser in die Volontärskasse. Sie werden von ihren Familien bekocht, oder essen im Zentrum; für alles andere kommen sie selbst auf.

Jeder Freiwillige, der nicht über Weltwärts kommt, bezahlt an die Organisation vor Antritt der Reise 200 Euro Aufwandsentschädigung und schickt das unterschriebene Formular (wird bei Zusage mit der Volubroschüre zugeschickt) an Frau Brendel. Wir haben gerne Freiwillige vor Ort, aber es ist für uns auch eine Menge Arbeit damit verbunden, alle zufrieden zu stellen: Korrespondenz im Vorfeld-Beantworten der vielen Fragen, Abholen vom Flughafen, Einführung und Betreuung vor Ort, Organisation der privaten Projektvorstellungen von Freiwilligen, Einrichten und Renovierung der Räume, Betreuung im Krankheitsfall etc., etc. Nach einer Eingewöhnungsphase von einer Woche übernehmen Freiwillige ihre Aufgaben eigenständig, haben aber immer Menschen zur Seite, an die sie sich wenden können bei Fragen und Problemen. Wer Interesse hat zu uns zu kommen, bewirbt sich mit Lebenslauf/Photo und Motivationsschreiben bei Frau de Vos über E-Mail. Sie teilt dem/der Bewerber/in mit, welche Aufgabe für ihn/sie möglich wäre und worauf der/die Betreffende sich vorbereiten sollte. Die Freiwilligen sollten gesundheitlich stabil sein, da die Tropen mit ihrem anstrengenden Klima viel abverlangen. Es ist Pflicht zumindest für 3 Monate Malariaprophylaxe zu nehmen und die üblichen Impfungen sind Voraussetzung für einen Aufenthalt bei Baobab. Die Freizeit wird nach den Notwendigkeiten geplant und abgesprochen.

Besuch aus Deutschland kann nur nach Absprache empfangen werden, Besucher können nicht selbstverständlich bei uns untergebracht werden. Telefonanrufe von oder nach Deutschland, Päckchen und Besuche sollten sich sehr in Grenzen halten, da der/die Freiwillige ja gekommen ist, um sich auf Afrika einzulassen und einfach mal Deutschland auszuschalten. Volontäre sollten etwas mitbringen, was sie vermitteln wollen und bereit sein zu lernen von den Menschen in Ghana. Voraussetzung ist die Bereitschaft, sich für die fremde Kultur zu öffnen und Verzicht zu üben, Selbstverständlichkeiten aus Europa über Bord zu werfen, auch schwierige Situationen durchstehen zu wollen, Initiative zu entwickeln und den Mut zu neuen Erfahrungen mitzubringen.
Unter diesen Voraussetzungen kann ein Aufenthalt fruchtbar für beide Seiten sein.

"Jede Begegnung, die deine Seele berührt, hinterlässt eine Spur, die nie ganz verweht!"


Abschlussbericht Johanna Trautner - 28.08.08 bis 27.08.2009.
     

Mit großer Aufregung und Spannung sah ich meinem sozialen Jahr in Ghana entgegen. Schon immer wollte ich nach der Schule ins Ausland und nun hatte sich alles doch nochmal um drei Jahre verzögert, so dass ich es nun gar nicht mehr abwarten konnte. Ich war unglaublich glücklich, dass ich nach Ghana gehen konnte, genau das Projekt und das Land das mich, nach langem Überlegen und Informationen sammeln, am meisten gelockt hat. Als ich in Ghana ankam, konnte ich mir kaum vorstellen, was mich in dem Jahr alles erwartet. Ich freute mich ganz besonders auf eine spannende, lehrreiche Zeit. Wir waren drei neue Volontäre und wurden am Flughafen abgeholt. Als wir ankamen regnete es. Von der erschlagenden Hitze von der ich so oft gehört hatte, konnte ich bei meiner Ankunft nichts spüren. Zwei Stunden suchten wir nach dem Hotel in dem wir übernachten sollten. Mit aller Ruhe fuhren wir durch die dunklen Straßen der Nacht. Erst am nächsten Tag ging es weiter zu unserem eigentlichen Ziel, der Baobab Children Foundation.
Nun liegt das Jahr hinter mir. Manchmal scheint es wie im Flug an mir vorbei gezogen zu sein, ohne dass ich es hhätte fassen können, um alles in mir aufzunehmen. In anderen Momenten erscheint mir das Jahr endlos lange gedauert zu haben und all die Eindrücke die ich gesammelt habe überstürzten sich in mir.

Den ersten persönlichen Kontakt zu Baobab hatte ich, als wir nach einer drei stündigen Fahrt in Cape Coast im Baobab Shop ankamen. Die Schüler, die dort verkauften, wussten von unserer Ankunft. Sie begrüßten uns fröhlich und umarmten uns stürmisch. So eine offene und liebevolle Begrüßung habe ich gar nicht erwartet. Im Baobab Center in Kissi wurden wir auf die gleiche Art von einer ganzen Menge Schülern begrüßt. Am Anfang wusste ich gar nicht, wie ich all die Gesichter jemals auseinander halten sollte, doch schon nach einigen Wochen wurden aus all den fremden Gesichtern ganz eigenständige Persönlichkeiten für mich, mit schönen und stolzen Blicken, die tief greifende Spuren in mir hinterließen.

Meine Aufgabe sollte sein im Hostel für Ordnung zu sorgen, mit den Schülern zusammen zu wohnen und für sie da zu sein. So bin ich in ein schönes, luftiges Zimmer im Mädchen Hostel gezogen. Schnell habe ich mich eingerichtet und auch schon richtig wohl gefühlt. In der Schule wurden wir mit drei Mahlzeiten am Tag bekocht. An viele ghanaische Speisen musste ich mich erst richtig gewöhnen. Sie lagen mir sehr schwer im Magen und hatten zum Teil einen für uns ungewohnten, eigenartigen Geschmack. Ich war dafür zuständig die Schüler die im Hostel lebten über den Tag hinweg zu begleiten. Der Morgen startete am Anfang oft damit, dass die Schüler mich weckten um sich Zahncreme oder Toilettenpapier zu holen, oder weil sie einen Schlüssel brauchten. Doch schon bald erkannten sie, dass ich nicht vor sechs Uhr aufstehe, so dass sie lernten sich bis dahin zu gedulden und erst mit ihren Bedürfnissen kamen, wenn sie mich am Morgen schon gesehen hatten. Ab diesem Zeitpunkt wurde ich von dem Fegegerusch der fleißigen Schüler geweckt, die ihre Morgenaufgaben erledigten. Manche begannen bereits kurz nach 5 Uhr ihre Arbeit zu verrichten. Sie waren gerade erst aufgestanden und noch halb im Schlaf. Doch nach mehreren Minuten kamen zu dem Fegegerusch Stimmen dazu, die immer bunter und lauter wurden, je weiter die Zeit voran schritt. Die Morgenaufgabe war eine Pflichtaufgabe der Schüler bevor der Unterricht losging. Dies zu überprüfen gehörte zu meiner Arbeit und wurde zu meiner größten Herausforderung. Hatte ich meinem Jahr in Ghana doch als oberstes Ziel gestellt, es als Lernjahr und nicht als Lehrjahr zu sehen. Doch bei dieser Aufgabe merkte ich schnell, dass ich hierbei an meine Grenzen stieß. Denn das Ziel war, dass alles erledigt sein musste, bevor die Schule um 8 Uhr startete. Auch die Zimmer sollten alle aufgeräumt und geputzt sein und das war immer wieder ein Punkt bei dem Welten aufeinander prallten. Während ich meine Aufgabe gut erledigen wollte, ging bei mir besonders am Anfang unter, dass die Schüler ein ganz anderes Verständnis für Ordnung und Sauberkeit hatten. Auch sie wollten, mit manchen Ausnahmen, ihre Aufgaben gut erledigen. Auch haben sie ein ganz anderes Gefühl für Zeit. Wenn ich meinte immer wieder bei einer Sache nachhaken zu müssen, fühlten sich die Schüler gehetzt und ließen sich trotzig noch mehr Zeit. Ein weiteres Problem warum mir das Arbeiten in diesem Fall Schwierigkeiten bereitete, war die Unregelmäßigkeit mit der viele Schüler im Hostel schliefen. Es gab immer wieder Schüler, die plötzlich für eine Zeitlang zu Hause wohnten, andere wurden vom Hostel suspendiert und später verließen dann auch einige Schüler ganz die Schule. Dies wurde zum Leid der restlichen Schüler, die immer wieder mehrere und andere Aufgaben machen mussten und dann gewaltig rebellierten. Meine Idee war nun, ein System zu entwickeln das für alle am besten umsetzbar ist. Ich teilte die Schüler in Arbeitsgruppen ein. Wenn ein Schüler ausfiel, konnte dann die ganze Gruppe die Aufgaben übernehmen. Dieses Konzept wurde am Anfang mit großem Protest abgelehnt und ich begrub meine Idee vorerst. Gegen Ende meines Aufenthaltes brachte ich diesen Plan noch einmal ein und wir setzten ihn auf ähnliche Weise um.

Ebenso zu meinen Aufgaben gehörte es Schüler, die krank waren, ins Krankenhaus zu begleiten. Dies nahm meist viele Stunden des Wartens auf einfachen Holzbänken in Anspruch. So stattete ich mich hierfür mit einem Buch aus, um die Wartezeit bestmöglich zu überbrücken. Die Situation im Krankenhaus hat mich sehr erschüttert. Die Schwestern arbeiten mit einer Ruhe, das können wir uns gar nicht vorstellen. Selbst in Notfällen, so z. B. als ich einmal mit einer Schülerin, die einen epileptischen Anfall hatte, dort ankam wurde nicht geeilt. Das Mädchen war bewusstlos, aber die Schwestern und Ärzte ließen sich alle Zeit der Welt. Solche Situationen waren immer wieder schmerzlich für mich. Die Patienten werden meist gar nicht richtig untersucht, sie bekommen einfach Malariamedizin verschrieben, eine Menge Paracetamol gegen die Schmerzen und zusätzlich gleich Antibiotika, falls es sich doch nicht um Malaria handeln sollte. Hier lernte ich vor allem Ruhe zu bewahren, sowie mit Geschick und Taktik mit den Ärzten zu reden. Ohne mein weiteres Nachfragen erteilten sie meist keine Informationen über das Ergebnis.

Alle zwei Wochen stand ein großer Einkauf von Lebensmitteln für die Schulküche, sowie Seife und Hygieneartikel für die Hostelschüler, auf meinem Plan. Das Treiben auf dem Markt wirkte anfänglich sehr verwirrend auf mich, doch schon schell erkannte ich ein System in all dem bunten Trubel. Menschenmengen die sich über den Markt drängen, laute Zurufe und Warenanpreisungen, Marktstände mit einer kunterbunten Auswahl und doch mit ganz viel System und vor allem mit einer Liebe zum Detail arrangiert. Ich hatte feste Stände, bei denen ich alle zwei Wochen einkaufte. Wenn sich die Preise jedoch erhöhten, was aufgrund der Inflation immer wieder der Fall war, habe ich die Preise und Qualität verschiedener Stände verglichen und das günstigste gewühlt.

Die schönste und intensivste Tätigkeit die mir zugesprochen wurde war, die Schüler abends ins Bett zu bringen. Wir haben lange geredet über Dinge die am Tag passiert sind, manchmal gesungen und getanzt oder noch Spiele gespielt. Uno ist ein ganz großes Lieblingsspiel. Zum Abschluss haben wir jeden Abend gebetet. Das hat den Tag sehr schön abgerundet und ich konnte eine gute und intensive Beziehung zu den Schülern aufbauen.

Ich habe mich sehr schwer getan, all das neu auf mich Einwirkende auch öfter mal zu hinterfragen. Ich habe vieles als selbstverständlich hingenommen, habe über Unterschiede zwischen Ghana und Deutschland kaum nachgedacht. Ich habe einfach nur gelebt. Ich bin in Ghana eingetaucht als sei ich schon immer dort gewesen. Nun stellt sich mir die Frage, ob das so gut war und im Nachhinein denke ich, dass ich viel mehr an Wissen hätte mitnehmen können, wenn ich vieles hinterfragt hätte. Auf der anderen Seite habe ich mich so einfach auf ein Leben in einem anderen Land eingelassen und einfach alles angenommen, ohne vorher schon zu kritisieren. Was mir jedoch sehr schwer gefallen ist, war zu sehen, dass meine Aufgabe in der Schule nicht darin bestand, etwas komplett Neues aufzubauen, zu entwickeln und zu verwirklichen, sondern es vielmehr darum ging, einen bestehenden Bereich mit einer gewissen Konstanz und Ruhe aufrecht zu erhalten. Bis ich das erkannt habe, hatte ich oft mit großen Zweifeln an mir selbst zu kämpfen. Besonders im Bereich des Sozialen hatte ich eine ganze Menge zu lernen. Wie gehe ich mit den Schülern um? Was erwarten sie von mir? Wie kann ich ihren Erwartungen gerecht werden? Ich lernte eigene Muster zu erkennen und versuchte sie über Bord zu werfen, was mir oft nicht leicht gefallen ist. Ich konnte vieles für meine Zukunft mitnehmen und möchte keinen Augenblick, den ich mit den Schülern erlebt habe, missen. Sie alle zusammen waren die besten Lehrer für mich.

Ich habe die Lebensweise einer anderen Kultur erlebt und kennen gelernt, habe dadurch angefangen meine eigenen Verhaltensweisen zu hinterfragen. Ich habe vieles in mir aufgenommen, dadurch an Kraft und Lebensfreude gewonnen. Ich habe Tiefzeiten wie Hochzeiten erlebt, doch habe ich nie daran gezweifelt das Jahr durchhalten zu können und meine Aufgabe weiter in die Hand zu nehmen. Denn ich wusste, alles was ich hier erlebe wird mich lehren und stärken. Ich hatte mehrere extreme Tiefs, in denen ich immer wieder darüber nachgedacht habe, was ich anders machen kann, wie ich weiter kommen kann und wie ich etwas verändere. Ich hatte große Zweifel an mir, doch mein Gefühl sagte mir immer wieder, dass ich es schaffe. Das Jahr hat mir Kraft und Mut gegeben, sowie mein Selbstbewusstsein gestärkt. Durch das Kennen lernen einer ganz neuen Kultur habe ich ein neues Bewusstsein erlangt, das mir eine neue Reflexionsweise eröffnet.

Schon vor meinem Jahr in Ghana hatte ich mir Gedanken gemacht, was ich hinterher machen möchte. Ich wollte Soziale Arbeit studieren und mein Wunsch hat sich auch bis heute nicht geändert. Ich werde mich ab März auf Studiengänge bewerben und sehen wo es mich hin verschlägt. Ein Traum von mir ist an der Ostsee in Kiel zu studieren. Ein anderer Traum ist es Schwerpunkte in interkulturellen Beziehungen zu setzen. Ich werde das alles auf mich zukommen lassen und nun erstmal für einen Monat ein Praktikum in Kaliningrad in einem Kindergarten machen und die Arbeit des Anthropos e. V. kennen lernen. Die lieben Menschen des Anthropos e. V. haben mich in meinem Jahr in Ghana großzügig mit Spenden, aber auch mit vielen positiven Gedanken unterstützt.

 
Elf Wochen bei der Baobab Children Foundation in Ghana, Westafrika
Abschlussbericht Jessica und Ronald Gube
 
     

Am Montag, den 25. Mai 2009 starteten wir gemeinsam mit unserem jüngsten Sohn Nicolas mit dem Flugzeug in Düsseldorf. Nach Zwischenstopp in Tripolis, Libyen, und insgesamt achtstündiger Flugzeit erreichten wir am späten Abend Accra in Ghana. Schon beim Aussteigen aus dem Flugzeug und dem ersten Atemzug der intensiven, feucht-warmen, zugleich süßlich wie auch verwesend riechenden Luft spürten wir deutlich, dass dieser andere Kontinent uns mit allen Sinnen in seinen Bann schlagen wßrde.

Nach der ersten Nacht in Accra und den sofort heranbrandenden Eindrücken des afrikanischen Stadtlebens (Lärm, Menschen über Menschen, kein Wasser im Hostel, fliegende Händler mit Waren jeder Art, ein Chaos von Tro-Tros, den stets vollgestopften Überlandbussen, selbsternannte Kofferträger, übereifrige Taxifahrer) ging es etwa 200 Kilometer an der Küste entlang durch Cape Coast bis nach Kissi, dem Dorf nahe des Baobab-Projektes, das unsere Heimat für die nächsten Monate sein würde. Dichtes, saftig-grünes Buschland, Kokospalmenhaine und Palmhüttendörfer säumten unseren Weg.

Die nachmittägliche Ankunft im Baobab Center war von Freundlichkeit und Herzlichkeit geprägt, aber auch von sehr vielen Gesichtern und Namen, die verwirrend und zahlreich waren. Ob wir all diese Menschen wohl kennen- und vor allem auseinanderhalten lernen würden?
Gerade reichte die Zeit noch, um unsere liebevoll gestaltete Lehmhütte zu beziehen und einen Rundgang über das Gelände zu machen, dann brach um 18.30 Uhr bereits schnell die afrikanische Nacht herein, die Solarlampen, eine Spende aus Deutschland, wurden entzündet und unser erstes ghanaisches Essen wartete auf uns; "red-red", d.h. Bohnen, Gari und frittierte Plantains (Kochbananen) in roter Palmsoße.

Die folgenden fünf Tage waren zu unserer Orientierung gedacht. Wir bewegten uns im Center von Werkstatt zu Werkstatt, von Mensch zu Mensch, knüpften in kleinen Gesprächen und Begegnungen die ersten Kontakte und begannen, langsam die Strukturen und Gewohnheiten dieses Ortes zu durchschauen. Auch an die Umstellung an die englische Sprache und die besondere Intonation des ghanaischen Englisch mussten wir uns gewöhnen. Die nächtlichen Geräusche, die rund um die Uhr heranschallenden Klangfetzen der dörflichen Gottesdienste christlicher und muslimischer Religion, die unglaublich hohen Temperaturen mit kaum nennenswerter Nachtabsenkung, die Gewöhnung an Eimerdusche mit am Seil geschöpftem Wasser aus dem Reservoir, abgepacktes Trinkwasser und ein Plumpsklo mit diversen tierischen Bewohnern, Moskitos, die auch durch Hosen und imprägnierte Haut stechen, taten ein übriges zu dem Gefühl, das man nicht über Nacht zum selbstverständlichen Bewohner eines anderen Kontinentes wird!

In der zweiten Woche unseres Aufenthaltes begannen wir unsere eigentliche Tätigkeit. Das hieß für unseren Sohn Nicolas Mitarbeit auf der angegliederten biologischen Farm und in der centereigenen Fahrradwerkstatt und für Jessica und Ronald Mitarbeit in der Baobab-Schule, die in drei Klassen etwa 50 Jugendliche alphabetisiert und Grundschulwissen in Englisch, Mathematik und Sachunterricht vermittelt.
Ronald wurde Mitarbeiter in Klasse 3 (Lernniveau einer etwa 5. Klasse in Deutschland), Jessica startete in Klasse 2 (Lernstand etwa 3. Klasse deutscher Verhältnisse). Schon nach wenigen Tagen des Zuschauens begannen wir selbst zu unterrichten. Der Schüerkontakt war leicht herzustellen, da ghanaische Schüler einen tiefen Respekt vor dem Erwachsenen und Älteren haben. Man wird mit "Mister" und "Madame" angesprochen, und fraglos wird jedes Lehrerwort akzeptiert. Unsere Schüler waren zunächst überrascht über die Art der Ansprache, die sie durch uns erfuhren, kannten sie doch bisher vor allem Auswendiglernen, unreflektiertes Nachsprechen und lange Abschnitte ohne eigene Tätigkeit, wenn jemand anderes aus der Klasse abgefragt wurde. Von Anfang an tauchten sie mit großer Freude in die neue Art des Unterrichtes ein, der aus viel mehr Gespräch, kürzeren Sequenzen des Hörens und verstärkter Eigenaktivität vor allem im Unterrichtsgespräch bestand.
Unsere Lehrerkollegen spürten die Andersartigkeit im Unterricht und waren interessiert, doch es bedurfte immer wieder behutsamer Gespräche und Anregungen, damit eine Öffnung für in Ghana ganz unbekannte Wege des Unterrichtens angelegt werden konnte. Dieses Miteinander mit den ghanaischen Lehrerkollegen war die weitaus größte Aufgabe unserer Tätigkeit. Man möchte als Neuling im Land und dazu noch als Wei?er auf dem schwarzen Kontinent auf keinen Fall als kolonialistisch anmutender Alleswisser auftreten!
Das Unterrichten der Schüler war jeden Tag wieder eine großüe Freude, und wir spürten, dass man mit Berufserfahrung doch auch in einem relativ kurzen Zeitraum sinnvoll tätig werden kann.

Schnell vergingen die Wochen in der Schule, und die Schüler wuchsen uns sehr ans Herz. Mit einem Ausflug ins Sklavenfort von Cape Coast und einem Sonntagsbesuch bei den Familien in den Dörfern gab es für uns als Gäste ebensolche Highlights wie für die afrikanischen Schüler.

Die Arbeit in der Schule beschränkte sich auf die Vormittage. Am Nachmittag arbeitete Jessica im "medicinal garden", der typische tropische Heilpflanzen wie Lemongrass, Papaya, Ingwer, Artemisia oder Aloe Vera beherbergt, Ronald unterstützte die Lehrer in den einzelnen Werkstätten wie Schnitzen, Tischlern, Nähen, Batiken oder Weben.

An den Wochenenden unternahmen wir zahlreiche Ausflüge in die nähere Umgebung, mit den Fahrrädern, die uns vom Center aus einer deutschen Spende zur Verfügung gestellt werden konnten, oder mit dem Tro-Tro, dem Überland-Kleinbus. So erlebten wir den Regenwald und das Hinterland, die Mangrovenlagunen und herrliche karibisch anmutende Strände.

In Kissi durften wir immer wieder Teilnehmer des afrikanischen Dorflebens werden mit seiner Farbigkeit und Fröhlichkeit, aber auch seiner Armut und Fremdartigkeit.

Die letzten Tage vor unserer Rückkehr verbrachten wir in Ostghana, in der Savanne, am Volta-River, bei den riesigen Baobab-Bäumen und in der Lebhaftigkeit Accras.

Baobab hat uns intensive Begegnungen mit afrikanischer Lebensweise und Denkart ermöglicht, Ghana selbst hat uns rundherum mit Offenheit und Freundlichkeit aufgenommen. Nach dem durchaus auch beschwerlichen Sich-Einleben in die völlig ungewohnten Verhältnisse und dem inneren Umstellen der Uhren, die in Afrika einfach langsamer gehen, nach dem überwinden der eigenen Denkmuster und dem Akzeptieren ganz anderer Ansätze für das gesamte Leben konnten wir am eigenen Leibe spüren, wie wichtig es ist, dass Menschen unterschiedlicher Kulturen sich begegnen, voneinander lernen und ein kleines Stückchen auf dem Weg zum Zusammenwachsen einer großen Menschheit versucht haben.

Wir danken allen, die zur Verwirklichung unseres Projektes beigetragen haben, sehr herzlich!

BAOBAB  -  CHILDREN  -  FOUNDATION
FREIWILLIGER DIENST
medase