Augustina ist ein Opfer dieses Aberglaubens
Im Alter von sechs Jahren bekam Augustina Epilepsie, wurde zu Heilern gebracht, danach konnte sie nicht mehr laufen. Einige Zeit später starb ihr Vater und man begann Augustina für seinen Tod verantwortlich zu machen. Daraus wurde der Verdacht geboren, sie sei eine Hexe!
Die Mutter, eine Frau mit neun Kindern und ohne jede Hilfe von Verwandten oder Freunden - die Familie ihres verstorbenen Mannes nahm ihr sogar nach seinem Tod das für die Kinder gekaufte Land ab - wußte sich nicht mehr zu helfen, verstieß Augustina und sperrte sie in ein kleines Lehmhaus, eine ehemalige Küche, direkt neben dem Familienhaus des Vaters. Dort vegetierte Augustina acht lange Jahre vor sich hin, nur notdürftig ernährt und fast ohne jeden Kontakt von außen. Nur die ältere Schwester, selbst eine Epileptikerin, besuchte sie von Zeit zu Zeit, brachte ihr zu essen und säuberte sie.
Befreiungsaktion
Im März 2004 bekamen wir den Hinweis, dass wir einmal nach der 16jährigen Tochter einer bestimmten Familie fragen sollten. Wir bekamen die Antwort, sie sei nicht da, man hätte sie weggeschickt usw.
Zwei unserer Mitarbeiter und unser Informant öffneten jedoch das kleine Lehmhaus vor dessen Tür ein großer Stein lag. Sie fanden Augustina völlig verschmutzt, mit langen Haaren und langen Fuss- und Fingernägeln auf dem Boden liegend. Sie lag zusammengekrümmt und starrte in Panik auf die Eindringlinge. Unsere Mitarbeiter dachten zunächst sie sei ein Tier; tagelang standen sie unter Schock. Zwei Tage später benachrichtigten wir die Polizei und Sozial Welfare und befreiten Augustina aus ihrem Gefängnis. Eine Woche lag sie im Krankenhaus mit einer heftigen Malaria. Wir stellten fest, dass sie an extremer Unterernährung litt, ihre Krankheit konnten wir nicht sofort diagnostizieren. Wir fanden in einem anderen Dorf eine Pflegemutter für sie, Hannah, eine Kindergärtnerin, die sich liebevoll um sie kümmerte. Baobab versorgte sie mit guten Nahrungsmitteln und gab Hannah ein Taschengeld. Augustina war ein sehr intelligentes Mädchen. Sie erinnerte sich an alles, was sie in der Schule gelernt hatte - sie besuchte die 2. Klasse als sie krank wurde. Sie hatte immer eine wunderschöne Singstimme, wahrscheinlich hat das Singen ihr Leben gerettet! Acht Jahre der Isolation unter Spieltischen Anfällen konnten Augustinas Überlebenswillen nicht brechen. Alles was für sie getan wurde und wird, nimmt sie dankbar an und gibt Liebe und Achtung zurück an ihre Retter. Wir konnten ihr die gestohlene Kindheit nicht zurückgeben, aber wir versicherten ihr, alles zu tun, um ihr ein Leben in Würde zu ermöglichen.
Neun Monate Krankenhausaufenthalt
Durch Röntgenbilder stellten wir fest, dass Augustina vier schlecht verheilte Brüche hatte. Vermutlich wurde sie in eine Bambi Chur gebracht, wo man ihr die Hexe austreiben wollte. Zusätzlich wurde sie mit ihrer Epilepsie alleine gelassen und stürzte vermutlich, ohne dass die Brüche geschient werden konnten. Neun Monate war sie mit ihrer Pflegemama Hannah im St. José Hospital in Koord, wo Dr. Causa, ein spanischer Chirurg, einige Operationen durchführte, um die Brüche zu richten. Man stellte fest, dass sie durch die Unterernährung ganz brüchige Knochen hatte und selbst in der Klinik brach sie sich wieder ein Bein. Mit viel Geduld und unermüdlichen Übungen schaffte sie es allmählich, wieder auf ihren Füßen zu stehen und sich mit einer Gehhilfe fortzubewegen.
Der Weg in die Unabhängigkeit
Februar 2008. Augustina ist nun zwei Jahre in Freiheit. Drei Jahre intensiver Pflege und Aufmerksamkeit haben ihr das Leben wiedergegeben. Sie ist nun schon seit einem Jahr Schülerin des Mephisto Training Centre, eine Einrichtung für "Physiksaal and mental Schallwege Schilden". www.mephiboshethinghana.org
Augustina kann nun am Leben teilnehmen, sie läuft ohne Hilfe, sie kann kehren wie alle anderen Mädchen, sie kann abwaschen und beim Kochen helfen. Sie ist eine der besten Schülerinnen in der Schule und kann schon den kleineren und hilfloseren Kindern beim Anziehen und Essen helfen. Sie ist fröhlich und liebt das Leben. Später einmal wird sie selbstständig leben können, vielleicht einmal heiraten und Kinder bekommen. Mephisto kann sich schon heute vorstellen, sie eines Tages einzustellen, um sich um andere herausgeforderte Kinder zu kümmern.
Wir werden nicht ruhen
Augustinas Fall ist kein Einzelfall, deshalb schalteten wir das Fernsehen ein, Human Right's, Sozial Welfare und der Fall wurde noch nach einem Jahr in der Presse und im Radio diskutiert.
Im Augenblick arbeiten wir daran, eine Dokumentation zu erstellen, die wieder im Fernsehen erscheinen soll. Inzwischen hatten wir noch weitere Fälle von Hexenverfolgung bei Mädchen und wir werden nicht ruhen, solange die Mädchen in Hanna dieses Schicksal erleiden müssen.
Die Oberle Stiftung in Staufen, eine Notfall Stiftung, half uns großzügig, die Kosten für Augustinas Krankenhausaufenthalt aufzubringen und sie finanziert immer noch ihre Verpflegung und die Schule.
WIR HELFEN- DANK IHRER SPENDE!



